Changemanagement.biz http://www.changemanagement.biz Dr. A. M. Bokler Fri, 21 Jul 2017 05:51:41 +0000 de-DE hourly 1 106389318 Warum das Wandern glücklich machen kann – Ein Impuls meiner Wanderfreundin Sabine Holicki http://www.changemanagement.biz/2017/07/warum-das-wandern-gluecklich-machen-kann-ein-impuls-meiner-wanderfreundin-sabine-holicki/ Thu, 06 Jul 2017 08:53:52 +0000 http://www.changemanagement.biz/?p=3152 Kürzlich habe ich zwei schöne Wanderwochenenden erlebt: über Himmelfahrt im Markgräflerland und über Fronleichnam im Harz.  Beide Reisen waren auf ihre eigene Art besonders, doch jedes Mal stellte sich durchs Wandern eine ungeheure Ruhe und Zufriedenheit bei mir ein. Wieso ist das so? Wieso kann wandern glücklich machen? Das habe ich meine geschätzte Netzwerkpartnerin Sabine Holicki gefragt, die in ihrer Freizeit Wandertouren organisiert.

Und das ist ihre Antwort:

Wandern ist wieder „in“

Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Wandern total verstaubt. Da hatten wir ein Bild vor Augen, wie die Großeltern durch die Natur stiefeln und dazu „Das Wandern ist des Müllers Lust …“ singen. Klobige Wanderschuhe mit kratzigen Socken zu Kniebundhose und kariertem Hemd, im Rucksack die Leberwurststullen, hartgekochte Eier und die „Mundorgel“.

Aber heute ist das Wandern wieder im Trend. Immer mehr Menschen entdecken es für sich, immer mehr Wege werden erschlossen, Wandergruppen boomen. Was also ist dran am Glück, „ohne Anlass durch die Gegend zu laufen“?

Die Natur liegt dir zu Füßen

So wie ich es empfinde, sind das drei Punkte: Erstens liegt dir die Natur zu Füßen. Jeder Schritt ein Erlebnis! Es knackt und raschelt, es duftet. Die Augen erleben ein Feuerwerk von Eindrücken: Nach jeder Wegbiegung siehst du ein neues Panorama. Wind in den Haaren, Sonne und Schatten auf der Haut. Du spürst, dass du als Mensch eigentlich hierher gehörst, mitten in die Natur. Selbst bei Regen ist wandern schön: Nie duftet der Wald würziger.

Zweitens tut die Bewegung gut. Damit meine ich nicht nur den sportlichen Aspekt. Sondern der gleichförmige Schritt macht den Kopf frei und rüttelt die Gedanken ganz von allein in die richtigen Zusammenhänge. Diesen überraschenden Effekt habe ich oft erlebt: Der Körper findet seinen eigenen Rhythmus und kümmert sich ums Vorwärtskommen, während die Gedanken fliegen dürfen. Und plötzlich kommt man auf Lösungen, über die man gar nicht bewusst nachgedacht hat! Es denkt sich quasi ganz von alleine.

Das Besondere im Kleinen

Drittens, und das ist mir persönlich am wichtigsten: Wandern schult den Blick für die Schönheit im Kleinen, für das Besondere am Wegesrand: Das Blühen im Unterholz. Bemooste Stämme. Der Baum, der sich zwischen Felsen herauszwängt und seinen Platz behauptet. Ein besonderer Stein, der dich anlacht, oder ein Fels, der ernst dreinzublicken scheint. Das vorbeihuschende Tier, die unerwartete Aussicht, die Farben der Jahreszeiten – vielfältige Bilder, die die Natur dir malt und die du nur wahrnehmen musst.

Ein anderes Wort dafür ist Achtsamkeit. Die kannst du beim Wandern wunderbar schulen – du musst dich nur darauf einlassen! Und das ist, glaube ich, das Geheimnis, das man auch in den Alltag mitnehmen kann: die Fähigkeit, aus kleinen Sinneseindrücken große Glücksmomente zu ziehen.

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Das Streben nach Sinn in der Arbeit: Interview mit Sam Kurath http://www.changemanagement.biz/2017/06/das-streben-nach-sinn-in-der-arbeit-interview-mit-sam-kurath/ Mon, 19 Jun 2017 10:59:20 +0000 http://www.changemanagement.biz/?p=3131 Sam Kurath, Schweizer Unternehmer und Gründerpersönlichkeit, beeindruckt mich mit innovativen Gedanken zur neuen Arbeitswelt und damit, dass er immer wieder seine Rolle als Führungskraft hinterfragt. Deshalb freue ich mich sehr, dass er sich zu diesem Interview bereiterklärt hat. Inspiriert durch den Buchtitel von Sabine Asgodom „In meiner Badewanne bin ich der Kapitän“, habe ich das Interview mit Sam Kurath mit einer Schiffs-Metapher eröffnet.

Wie ist das Schiff, auf dem Du gerade segelst, und wo segelst Du gerade?

Das Meer, in dem ich segle, ist: Wie findet man den Weg zur Selbstwirksamkeit? Darin ist die Selbsterkenntnis integriert: Wer bin ich, was will ich, was motiviert mich, wohin möchte ich gehen, und mit wem. Das sind Grundsatzfragen. Wo in dieser Welt ist mein Platz, wo habe ich die größte Wirkung?

Warum hast Du Dir dieses Gewässer ausgesucht?

Weil ich glaube, dass diese Fragestellung aktuell die meisten Leute – bewusst oder unbewusst – beschäftigt. Wir hatten noch nie so viele Möglichkeiten, uns selbst zu verwirklichen und wirksam zu werden.

Das Thema wird auch die Wirtschaftswelt neu prägen, weil neue Generationen hineinwachsen, die Generationen Z und Y. Sie haben andere Ansprüche, wollen sich verwirklichen, ihre Werte einbringen. Sie wollen eine sinnvolle Arbeit. Und um sinnvoll zu arbeiten, muss ich mich zuerst kennen und wissen, wie ich mich verwirklichen möchte.

Kannst Du Deinen Weg dahin beschreiben? Du hast ja mal anders angefangen.

Mein Weg hat zu diesem Ozean geführt, weil ich selbst all diese klassischen Stufen zur Selbstständigkeit durchschritten habe: Man gründet eine Firma, arbeitet sehr viel und wenn man Glück hat, funktioniert es, man stellt Leute ein, man vergibt Rollen – und plötzlich kommt die Frage, ist das überhaupt das, was ich machen möchte?

Bei mir kam diese Sinnfrage, als ich nach der Aufbauphase das erste Mal sehr erfolgreich war. Mein Körper hat mich quasi dazu gezwungen, das anzugehen. Ich hatte körperliche Symptome, eine Energiekrise. In der Arbeit, von der ich meinte, dass sie gut passen würde, konnte ich nicht mehr bleiben. Ich war erfolgreich, habe meine Vision realisiert – und gleichzeitig war ich sehr unerfüllt.

Mit der Sinnkrise kamen viele neue Fragestellungen, auch in Bezug auf Leute, die angestellt sind. Wir leben ja in einer Zeit, in der wir Wahlmöglichkeiten haben. Wer eine gute Ausbildung hat, offen und intrinsisch motiviert ist, kann eigentlich überall andocken. Viele sind in ihrer Lebens- oder Arbeitssituation vielleicht nicht so erfüllt, und trotzdem verlassen sie diese Komfortzone nicht.

Bei mir war das auch so. Ich konnte als Unternehmer sogar frei definieren, was ich arbeite, und trotzdem war ich nicht erfüllt. Das war für mich eine spezielle Situation – rational nicht nachvollziehbar, aber emotional hat es einfach nicht gepasst.

So kam also die Abzweigung in ein neues Gewässer. Je mehr man sich irgendwo hinein begibt, desto mehr kommt dabei heraus. Ich setze mich immer mit mehr menschlichen Themen und Persönlichkeitsentwicklung auseinander. Dabei spüre und sehe ich, dass das eigentlich jeden bewegt, weil jeder sich darin findet. Über die Wirtschaft oder über die Firmen haben wir darauf viel Einfluss, weil Menschen sehr viel Lebenszeit in den Firmen verbringen.

Mein Credo ist: Ich hätte gerne die richtige Leute um mich herum, die ihre Talente, Fähigkeiten und Werte leben können und gemeinsam mit mir etwas auf den Weg bringen. Das bedingt, dass sie sich kennen, dass ich mich kenne, wir uns gegenseitig kennen und immer wieder schauen, ob das passt und was wir gemeinsam machen.

Damit verändern sich auch Strukturen, Hierarchien und auch Abhängigkeiten. Es mischt das ganze Arbeitsthema neu auf. Rollen wechseln: Nicht mehr der Arbeitgeber ist am längeren Hebel, sondern man kann nur noch gemeinsam Lösungen erarbeiten. Auch weil die Technologie, die Digitalisierung, so schnell treiben, dass klassische Führungspersonen oder Führungsteams gar keine Antworten mehr finden auf all die Fragen, die heute auftauchen.

Kannst Du das noch weiter ausführen?

Ich glaube, ein großes Thema ist, dass wir derzeit das menschliche Potenzial nicht wirklich abholen können. Allein wenn ich sehe, wie sich die Abteilungen für die Menschen in den Firmen nennen, Human Resources, da steckt der Fehler schon im Namen, dass man Menschen als Ressourcen anschaut. Dann kann man sie nur verbrennen.

Immer mehr Studierende, Jugendliche und jetzt auch schon Kinder sind überfordert. Sie haben Schlafprobleme, viele Studierende nehmen Psychopharmaka, um den Druck auszuhalten. Eine gefährliche Bewegung! Nach meiner Erfahrung haben gerade junge Leute viele sehr schöne Fähigkeiten und Eigenschaften, die man aber in der Wirtschaftswelt nicht abholen kann, weil man nicht in diesen Mustern denkt. Das ist so viel verschwendetes Potenzial!

Der Tausch von Lebenszeit für Geld, der funktioniert einfach nicht mehr. Wir müssen wirklich schauen, was wir mit unserer Lebenszeit machen wollen. Die Jungen fordern das ein. Für die bestehenden Unternehmen ist das schwierig, weil die es nicht gewohnt sind. Sie sind gewohnt, dass sie entscheiden. Und die jungen Leute wollen einfach mit involviert werden, mitwirken.

Das Schöne daran ist: Wenn man sie lässt, dann sind diese Leute viel stärker motiviert und erzielen viel bessere Resultate! Wenn man die Angst überschreitet und versucht, neue Wege zu gehen, kommt man auf ganz neue, sehr spannende und vor allem menschliche und verbindende Lösungen.

Mein Wunsch ist wirklich, an einem Ort zu sein, wo ich mich wohlfühle und mich verbunden fühle mit den Leuten, die da mit mir gemeinsam etwas bewegen.

Wenn wir in dem Bild mit dem Schiff bleiben: War das schon vorher ein Schiff oder war das ein Floß oder ein Boot?

Ganz am Anfang war es ein Einmannboot, wo ich die Paddel selbst in der Hand hatte. Dann wurde es immer größer, und irgendwann war ich wirklich nur noch der Kapitän und musste Befehle geben. Inzwischen geht das in Richtung Segelschiff, wo jeder eine ganz wichtige Aufgabe hat, und wenn einer die Aufgabe nicht gut macht, dann leiden alle anderen darunter.

Aufgrund Deiner Expertise beim Lenken von Schiffen, was ist Dein Schlüssel, den Du den Menschen mitgeben möchtest?

Ich glaube, dass die zukünftige Führungskraft ein Coach sein muss, dessen eigene Persönlichkeitsentwicklung schon ziemlich weit ist. Denn wenn Ego, Status, Macht noch große Themen bei einer Führungsperson sind, dann kann sie das Potenzial in anderen nicht erkennen, nicht wecken und auch nicht am richtigen Ort aufblühen lassen.

Momentan sehe ich in den Firmen immer noch dieses Hierarchiedenken, diese Status- und Machtstrukturen, die verhindern, dass die Leute menschlich angenommen werden und sich entfalten können. Ich selbst habe auch diese Erfahrung gemacht, als Chef. Ich bin klassisch in diese Rolle hineingeschlüpft und habe gemerkt, dass ich mich darin nicht wohlfühlte. Obwohl es im Äußeren funktioniert hat. Aber „Ich bin der Chef“ oder „Ich bin schon lange in einem Betrieb“ oder „Ich kenne die Branche gut“, das reicht nicht mehr, weil sich alles so schnell verändert – und einer Art und Weise verändert, wie wir es noch nie gehabt haben.

Es gibt immer mehr branchenfremde Player, die plötzlich mit ganz neuen Blickwinkeln eine Branche aufmischen. Das können wir nur lösen, wenn wir es gemeinsam machen. Das Gemeinsame heißt Augenhöhe, zulassen, dass der Mensch wachsen darf. Kontrolle abgeben, Macht abgeben. Das sind ganz schwierige Themen für Leute, die in Machtpositionen sind. Aber auch für Angestellte bedeutet das, in die Selbstverantwortung reinzuwachsen, dies ist für den größten Teil sehr herausfordernd, weil die starren Systeme und Hierarchien oft die Selbstwirksamkeit unterdrückten. Dies gilt es nun neu zu erlernen, ein anspruchsvoller Weg.

Was ist Dein persönlicher Schlüssel auf dem Weg zum Glück?

Wenn man sich Zeit nimmt und versucht, intensiv in sich hinein zu fühlen und zu hören – und diese Informationen nicht nur wahrnimmt, sondern auch ins Handeln kommt, dann hat man den besten Begleiter überhaupt. Das bedingt, dass ich reflektiere und auch Feedbacks von anderen mitbekomme.

Das ist übrigens als Führungsthematik schwierig: Führungsleute bekommen selten ein ehrliches Feedback, weil Abhängigkeitsverhältnisse bestehen. Führungspersonen sind also noch mehr gefordert, sich selber objektiv zu spiegeln.

Meine Erfahrung ist: Je mehr ich mich selber kennenlerne, umso großzügiger kann ich auch mit meinen Schwächen umgehen. Das macht mich zufriedener, weil ich sehe, dass ich nicht alles selber lösen muss oder ich der Mittelpunkt bin und alles richtig machen muss. Sondern dass auch ich in diesen Konstellationen, in denen ich bin, einfach das Beste geben kann und natürlich auch Fehler mache und auf dem Weg bin, mich zu verbessern.

 

Zu Sam Kurath:

Der Schweizer Unternehmer Sam Kurath gründete schon als Student die Jaywalker GmbH, die mit der STUcard eine weit verbreitete Rabattkarte für Lehrlinge und Studenten herausgibt. Daneben gründete er mehrere andere Firmen und ist als Aufsichtsrat und Investor an weiteren Unternehmen beteiligt. Als Gründerpersönlichkeit unterstützt er StartUps mit seiner Expertise.

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Ich liebe das Leben! Gedanken über einen ganz besonderen Tag, mein Lebensfest http://www.changemanagement.biz/2017/06/ich-liebe-das-leben-gedanken-ueber-einen-ganz-besonderen-tag-mein-lebensfest/ Thu, 01 Jun 2017 16:08:08 +0000 http://www.changemanagement.biz/?p=3094 Der letzte Sonntag war für mich ein ganz besonderer Tag: Mein Lebensfest. Es bedeutet, dass ich an diesem Datum im Jahr 2011 ein neues Leben geschenkt bekommen habe. Dass ich am Leben bleibe, das war in den Tagen zuvor gar nicht so sicher. Denn ich war mit dem damals grassierenden EHEC Erreger infiziert und litt an der lebensbedrohlichen Komplikation HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom). HUS kann Nieren und Hirn schädigen. Unterstützt durch Blutwäsche und jede Menge Medikamente, musste meine Körperabwehr damit fertig werden.

Und jetzt, am vergangenen Sonntag, saß ich morgens stillvergnügt in einem hübschen Landhotel beim Frühstück, genoss jeden Bissen und jeden Schluck und fühlte dem nach, was ich vor 6 Jahren erlebt hatte. Mein Lebensfest ist der Tag der Nahtoderfahrung, wo ich damals glücklich war zu gehen und doch geblieben bin. Diesen Tag feiere ich jedes Jahr für mich und freue mich – im wahrsten Sinne des Wortes – des Lebens.

EHEC – was war das noch mal?

EHEC war eine aggressive Virusinfektion, die im Jahr 2011 für Schlagzeilen wie „Killer-Keim“ und „Darmseuche“ sorgte. In Deutschland waren insgesamt 4321 Menschen erkrankt und 50 Menschen starben daran. Von der seltenen Ausprägung HUS waren 732 Menschen betroffen. Erst standen Gurken und Tomaten im Verdacht, später ließen sich Sprossen als Auslöser identifizieren. Ein paar davon hatten sich auf meinem Bagel befunden, und so gehörte ich denn auch zu den Leuten, über die andere mit Entsetzen in der Zeitung lasen.

Von jetzt auf gleich kann alles vorbei sein

Die Erkrankung kam von jetzt auf gleich. Die Tage davor war ich noch mitten im Projekt, litt übers Wochenende an Mattigkeit und schlimmen Bauchkrämpfen. Montags gab es den Befund, doch ich dachte, ich bin von robuster Natur, so etwas bekomme ich nicht. Das war noch bevor EHEC in den Medien auftauchte. Ich versuchte zu arbeiten. Dann ging alles ganz fix. Innerhalb von 24 Stunden ging nichts mehr. Wäre ich nicht sofort ins Krankenhaus gegangen, wäre es innerhalb von wenigen Stunden vorbei gewesen.

Ich kam auf die Isolierstation, lag mit drei weiteren EHEC-Patientinnen auf einem Zimmer. Aufgedunsen von Wassereinlagerungen, Katheder am Hals für die Blutwäsche. Alle um mich herum waren in Schutzanzügen, jeder Besucher musste sich komplett einkleiden. Direkte Berührungen waren streng verboten, normales Handgeben oder Umarmen für lange Zeit tabu. Viele meiner Freunde hat meine Erkrankung damals richtig schockiert: Unvorstellbar, von jetzt auf gleich so aus dem normalen Leben gerissen zu werden. Wie lange sollte das dauern? 2 Wochen oder 4? – Bis ich wieder ganz gesund war, sollten viele Monate vergehen.

Einerseits war es für mich schlimm, nicht zu verstehen, was ich habe, was los ist, wie das alles ausgeht. Überhaupt die Erfahrung, verwirrt zu sein, auch viele verwirrte Gesichter um mich herum zu sehen. Ich hatte einfach die Situation nicht im Griff. Einigen Mitbetroffenen waren die Grundrechenarten und der Zahlenraum bis 100 abhandengekommen. Das kam alles wieder zurück, aber es dauerte seine Zeit.

Andererseits, und das finde ich im Nachhinein besonders interessant, war mein Geist trotzdem beruhigt. Ich merke zwar, dass ich vieles nicht verstand oder überblickte, aber eigenartigerweise dachte ich nicht weiter darüber nach. Irgendwie konnte ich das damals einfach so akzeptieren. Mein Gehirn hatte die Pause-Taste gedrückt.

Dieses Datum im Mai war ein Wendepunkt. So wie es häufig beschrieben wird, sah auch ich ein helles Licht, ging darauf zu und verspürte eine große Sehnsucht danach. Ich war glücklich und selig. Dieser Moment trug sich während einer Behandlung zu, ohne vorherige Anzeichen, er war kurz und seine Bedeutung wurde mir erst im Nachhinein bewusst. Dafür hat er sich mir umso stärker eingeprägt. Was brachte mich zurück? Mein Ego? Meine Seele? Ich habe hier noch etwas zu tun, mein Seelenplan ist noch nicht erfüllt, glaube ich.

Gesund werden mit Geduld und in Demut

Irgendwann ging es besser, nach Wochen durfte ich endlich nach Hause. Was für ein Glücksgefühl, zurück in meine Wohnung zu kommen! Danach war meine Gesundheit Mittelpunkt meines Tuns. Schritt für Schritt, in der nötigen Langsamkeit, wo ich doch nie ein langsamer Mensch gewesen war: Telefonieren. Einkaufen. Kochen. Stück für Stück gewann ich mein Leben, meine Selbstständigkeit zurück. Kurze Spaziergänge, erste leichte Yogaübungen. Rausgehen mit Freunden, die auf mich achteten. Dann ein kleiner Urlaub. Vieles musste ich auch wieder neu lernen, Radfahren oder hohe Schuhe waren eine Herausforderung für das Gleichgewicht. Der Tag, an dem ich wieder High Heels tragen konnte, war ein Festtag!

Immer gab es in dieser schwierigen Zeit die guten Momente, in denen ich Unterstützung bekam, emotionale Nähe, das Gefühl aufgehoben zu sein. Um Hilfe zu bitten und Hilfe anzunehmen, das war eine große Lernaufgabe. Heute bin ich froh, dass ich es gelernt habe. Es gab viele Menschen in meinem Umfeld, die mich auf ihre eigene, ob energetische oder spirituelle Art und Weise unterstützen. Es ist unglaublich, was gerade meine Freunde damals alles für mich taten, und mit welcher Selbstverständlichkeit und welchem Pragmatismus.

Heute schaue ich auf diese Zeit aus tiefer Dankbarkeit. Sich getragen zu fühlen von Freunden und Familie, erfüllt mich heute noch sehr. All das hat mir geholfen, gesund zu werden und das neue Leben zu nehmen.

Ein Beinbruch hätte es nicht getan

Im Nahhinein ist mir klar, eine „normalere“ Krankheit hätte mich nicht so verändert. Meine Seele hat sich für diesen Weg entschieden. EHEC mit HUS hat mir eine Auszeit vom Denken aufgezwungen, und meine Seele hat daraus etwas Gutes gemacht. Nicht dass ich heute sagen würde, ich hätte vorher oberflächlich gelebt, überhaupt nicht. Aber ich merke, dass ich jetzt viel stärker darauf achte – und auch viel stärker dazu in der Lage bin –, meine Werte zu leben. Zum Beispiel Persönliches Wachstum, oder einen Beitrag leisten, im Beruf und im Privaten.

Die Beziehungen, die ich pflege, sind tiefer, das gilt sogar für meine Kundenbeziehungen. Wenn ich zurückblicke, habe ich heute andere Kunden als vorher, und die Verbindung geht von Herz zu Herz. Das ist großartig.

Aus der Krankheit Stärke schöpfen

Vor kurzem sagte mir eine Bekannte, wenn ich meine EHEC-Geschichte erwähne (was ich selten tue), dann klingt das nie nach Krankheit oder Leiden oder nach geraubter Lebenszeit. Sondern es schimmert immer durch, wie dankbar es mich gemacht hat, und auch wie stark. Vielleicht steckt darin das Geheimnis: Das Unvermeidliche zu ertragen und nicht zu hadern, aber das Positive aus ganzem Herzen zu begrüßen und zu umarmen.

Das Leben lieben, es als Geschenk nehmen, sich ihm mit Freude hingeben und dankbar sein für das, was einem widerfährt, auch wenn es schwierig ist: Darüber habe ich nachgedacht, im Landhotel beim herrlichen Bio-Frühstück.  Um mich herum wunderschöne Gegend, strahlendes Sommerwetter, gute Freunde und eine fröhlich-herzliche Stimmung, die ich mit allen Sinnen erleben darf.

 

 

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Werte stärken Menschen und Beziehungen: Interview mit Stefanie Stahl http://www.changemanagement.biz/2017/05/werte-staerken-menschen-und-beziehungen-interview-mit-stefanie-stahl/ Fri, 12 May 2017 11:18:11 +0000 http://www.changemanagement.biz/?p=3057 „Die versteht was von Werten!“ war mein erster Gedanke, als ich kürzlich Stefanie Stahls Vortrag beim Frankfurter Ring hörte. Die Psychologin sprach über Werte in Zusammenhang mit Bindungsangst und Selbstwertgefühl. Zwei Aussagen haben sich mir besonders stark eingeprägt: „Mit höheren Werten Menschen stark machen“ und „Höhere Werte können einem die Angst nehmen“. Ich freue mich, dass Stefanie Stahl sich zu einem Interview für diesen Blog bereiterklärt hat.

Mein Thema ist „WERTvoll gestalten“. Wie kann man aus Ihrer Sicht Leben wertvoll gestalten?

Das ist eine sehr komplexe Frage. Wertvoll gestalten heißt ja, dass man sich seiner Werte bewusst wird, für die man leben und sich einsetzen möchte. Und das müssten positive Werte sein – es gibt auch Menschen, die setzen sich für sehr schlechte Werte ein. Das bedeutet, wir müssten zunächst positive von negativen Werten abgrenzen – hier kommt man schon in den philosophischen Bereich hinein.

Etwas pragmatischer: Bei mir ist der Satz hängengeblieben „Höhere Werte können einem die Angst nehmen“. Erläutern Sie das bitte näher?

Höhere Werte können uns den Rücken stärken, weil sie uns unsere Ich-Angst nehmen. Die Idee ist nicht neu, sie stammt aus der Logotherapie von Viktor Frankl. In seiner Arbeit z. B. mit KZ-Opfern hat er festgestellt, dass Menschen auch in scheinbar ausweglosen Situationen noch Kraft aus ihrem Leben schöpfen können, solange sie irgendeinen Sinn erkennen. Das Erleben von Sinnhaftigkeit ist enorm lebensbejahend, während Sinnlosigkeit depressiv macht! Sinn und Werte sind sehr eng miteinander verknüpft.

Wie ist das mit Beziehungen? Inwiefern spielen Werte hier eine Rolle?

In Paar- oder Beziehungskonflikten haben wir es häufiger mit Menschen zu tun, die sehr angepasst sind und große Ängste vor Konflikten aufweisen. Oft trauen sie sich nicht, einen eigenen Standpunkt zu beziehen oder zu sagen, was sie wollen oder nicht. Sie sind geradezu harmoniesüchtig.

Doch genau das kann die Beziehung zerstören. Denn die eigenen Wünsche und Bedürfnisse lassen sich nicht auf Dauer leugnen, sondern irgendwann entsteht Unzufriedenheit in der Beziehung zu dem anderen. Der Harmoniebedürftige fühlt sich in einer unterlegenen Position, sonst würde er sich nicht so anpassen. Aus dieser Lage heraus phantasiert er eine gewisse Feindseligkeit in den anderen hinein nach dem Motto: „Ich sage ganz oft ja, obwohl ich eigentlich nein meine, ich mache ständig, was du willst – und du bist schuld, weil du dominant bist.“

Und das ist nicht ganz fair. Damit sind wir bei einem Wert angelangt, dem Wert Fairness. Der andere bekommt ja gar keine Chance, auf ihn einzugehen, auch nicht die Chance, sich gegebenenfalls zu entschuldigen, falls er den anderen gekränkt hat. Er kann sich nicht in Beziehung zum anderen stellen, weil der Harmoniestreber immer aus der Deckung heraus agiert und in der Beziehung immer nur einen Teil von sich zeigt. So kann der ihm auch nicht wirklich nahe kommen, sondern er hat es immer mit einer Rolle zu tun und nicht mit dem authentischen Menschen.

Auf Dauer sind so schon viele Beziehungen in die Brüche gegangen, weil der Harmoniestreber sich meist aus der Beziehung zurückzieht. Zuerst innerlich, dann auch äußerlich, indem er die Beziehung verlässt – und bis dahin ist kein böses Wort gefallen! Der völlig verblüffte und auch erschütterte Partner bleibt mit der Frage zurück „Warum hast du denn nie was gesagt?“ Doch dann ist es schon zu spät, in diesem Stadium sind die Gefühle des Harmoniesüchtigen schon erkaltet und meist nicht mehr zu reaktivieren.

Was bringt den Harmoniestreber dazu, sich so zu verhalten?

Dabei geht es ganz stark um die Ich-Angst, das müssen wir auch verstehen. Der Harmoniestreber beschützt mehr sich selbst als den Partner. Die Angst, die dahintersteckt, wäre Verlust- oder Versagensangst, die Angst anzuecken oder abgelehnt zu werden, wenn ich zu viel „ich selbst“ bin. „Liebe gibt es nur um den Preis der Selbstverleugnung“ – solche Glaubenssätze sind meistens in der Kindheit erworben.

Und wie kann der Harmoniestreber verhindern, dass seine Beziehung daran scheitert?

Über seine höheren Werte. Authentizität, Offenheit, Fairness, die haben ja eine gemeinsame Schnittmenge. Der scheinbar Unterlegene kann sich bewusst machen, dass sein Verhalten dem anderen gegenüber nicht fair ist, nicht offen oder authentisch. Und dass es viel fairer wäre, rechtzeitig etwas zu sagen und dem anderen mitzuteilen, was ihm gefällt und was nicht. Seine Ängste sind ja im Grunde destruktiv. Der Wert Fairness könnte ihn aufrichten und ihm das Rückgrat stärken und ihm den Mut geben, für seine Wünsche einzustehen.

Dazu fällt mir übrigens ein ganz tolles Zitat von Viktor Frankl ein: „Zwischen Reiz und Reaktion liegt die Freiheit“

Das ist spannend. In meinem Modell würde ich immer erst die Angst anschauen und mich dann den höheren Werten zuwenden. Das finde ich jetzt schön verbunden.

Ja, allerdings ist die Voraussetzung: Der Harmoniestreber muss merken, dass er dieses bestimmte Verhalten ausübt, sonst kann er sich nicht verändern. Ihm muss bewusst werden, dass er sich jetzt nicht mehr gewohnheitsmäßig wegducken will, sondern um der Partnerschaft willen und für ein gesundes „Wir“ seine Ich-Angst überwinden und sagen sollte, was er denkt. Wenn ihm das gelingt, dann hätte er sich anhand eines höheren Wertes stark gemacht.

Wie sehen Sie allgemein die Beziehung zwischen Werten und Gefühlen in einer Partnerschaft?

Höhere Werte können Angstgefühle mindern, wie ich eben an dem Beispiel erklärt habe. Andererseits entstehen negative Gefühle, wenn wichtige Werte aus Sicht des einen Partners zu kurz kommen. Beispielsweise der Wert Gerechtigkeit, der in ganz vielen Beziehungen eine große Rolle spielt: Häufig entstehen Konflikte, wenn ein Partner das Gefühl hat, dass die Balance zwischen Geben und Nehmen nicht stimmt.

Je mehr gemeinsame Werte ein Paar hat, desto leichter werden sie es in ihrer Beziehung haben, und das wirkt sich wiederum positiv auf die Gefühle in der Beziehung aus.

Frau Stahl, vielen Dank für dieses Interview!

 

Stefanie Stahl ist Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und Autorin. Ihr Bestseller „Das Kind in dir muss Heimat finden“ hilft Menschen dabei, sich mit ihrem inneren Kind auseinanderzusetzen und daraus Kraft für sich zu schöpfen. Derzeit arbeitet sie an einem neuen Buch, im dem Paarbeziehungen im Mittelpunkt stehen.

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Soul@Work: Die Seele arbeitet mit http://www.changemanagement.biz/2017/04/soulwork-die-seele-arbeitet-mit/ Thu, 27 Apr 2017 09:05:14 +0000 http://www.changemanagement.biz/?p=3027 Soul@Work, die Initiative von Katharina Mehrlein und Heidi Lensing für eine bessere Arbeitswelt, hat mich schon länger fasziniert. Die Seele bei der Arbeit – oder Arbeiten mit Seele? Beidem kann ich viel abgewinnen. Denn Seele und Persönlichkeit gehören untrennbar zusammen, sie prägen unsere Werte und damit unser Verhalten. Und das ist genau mein Thema. Deshalb war ich hocherfreut und geehrt über die Anfrage als Autorin für den Band 3 von Soul@Work: „Kraftvolle Unternehmen, kraftvolle Führungskräfte, kraftvolle Mitarbeiter“. Mein Beitrag stellt die Persönlichkeit von Führungskräften in den Mittelpunkt.

Der Weg zur Führungs-Persönlichkeit

Wer meint, als Führungskraft seine Persönlichkeit unterdrücken und eine Rolle spielen zu müssen, wird scheitern. Ohne Authentizität und Alignment mit den eigenen Werten wirken wir wenig überzeugend. So lässt sich kein Team führen! Umso wichtiger ist es, die eigene Persönlichkeit gut zu kennen. Wer die eigenen zentralen Werte immer vor Augen hat, kann Wege finden, um daraus seine eigene Führungsstärke zu entwickeln. Nicht alle Führungskräfte müssen gleich sein: Ist der eine ein hervorragender Kommunikator, so motiviert der andere sein Team auf andere Weise. Nur verstellen sollte sich keiner.

In meinem Beitrag beschreibe ich die Schritte hin zu einer Führungs-Persönlichkeit: Am Anfang steht, dass ich mir klar werde über meine Werte, Ziele und die dahinterliegenden Motive. Dann muss ich mich mit meiner inneren Unordnung, der persönlichen Entropie, auseinandersetzen und eine innere emotionale Balance erreichen. Ist das geschafft, kann ich Individualität und Selbstverwirklichung ausbilden, um schließlich selbstlose Fähigkeiten zu entwickeln: Integrieren und das Dienen für ein übergeordnetes Unternehmensziel. Denn Führung baut nicht auf Ich-Bezogenheit auf, sondern auf Zusammenarbeit.

Werte und Lebenszweck

Hinter all dem steht ein übergeordnetes Thema, der eigene Lebenszweck, im Fachbegriff „Purpose“. Was ist der Sinngehalt meines Lebens, was verursacht mir Lebensfreude oder Lebensinbrunst? Mit Werten kann ich mich ausrichten, sie geben mir Leitlinien für mein Verhalten. Wenn ich aber meine Bestimmung kenne, meinen Lebenszweck, dann kann ich für mich eine Vision entwickeln, das „Große Ganze“, das mich tief im Innersten antreibt.

Umso schöner, wenn es mir gelingt, diese Vision auch in meiner Arbeitsumgebung zu verwirklichen, z. B. in meiner Rolle als Teammitglied oder Führungskraft. Soul@Work – Meine Seele zur Arbeit mitnehmen können, das ist doch was! Dafür lohnt es sich morgens aufzustehen.

Richard Barrett greift das Thema in seinem Buch „A New Psychology of Human Well-Being“ auf, in dem er dem Einfluss des seelischen Befindens auf Körper und Geist nachgeht. Wer die Signale der Seele missachtet, blockiert sich selbst. Wie finde ich meine seelischen Bedürfnisse heraus, wie erlange ich seelisches Gleichgewicht? Ich schon sehr gespannt auf das Seminar im Mai mit Richard Barrett „From Well-Being to Flourishing: Living Your Soul Purpose“, wo wir dem auf den Grund gehen werden. Die Highlights daraus bald hier in meinem Blog.

Und bis dahin eine kleine Selbst-Reflexion: Wie ist das WERTE Befinden?

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Nachdenken über das „Sofort“: Gute Impulse zur Fastenzeit http://www.changemanagement.biz/2017/03/nachdenken-ueber-das-sofort-gute-impulse-zur-fastenzeit/ Thu, 30 Mar 2017 09:38:48 +0000 http://www.changemanagement.biz/?p=3017 Gut die Hälfte der diesjährigen Fastenzeit vom 1. März bis 16. April ist vorüber. Mich begleitet der Kalender „7 Wochen ohne“ zur Fastenaktion der evangelischen Kirche durch diese Tage. 2017 steht die Aktion unter dem Motto: 7 Wochen ohne „sofort“. Und ich kann sagen, dass die täglichen Impulse über das kleine und das große „Sofort“ in unserem Leben mich sehr berühren.

Zum Beispiel die Texte von Fulbert Steffensky. Ihn habe ich im Rahmen einer Ausbildung einmal persönlich kennengelernt, und das gehört mit zu den wichtigen Momenten in meinem Leben. Im Kalender gibt er mir einen Gedankenanstoß durch: „Alles hat seine Zeit“: früher gab die Natur uns Grenzen vor, wie Tag und Nacht, Sommer und Winter. Wir richteten uns darauf ein und freuten uns umso mehr über den Tagesanbruch oder das erste frische Obst und Gemüse. Viele solcher Grenzen haben wir heute überwunden, aber es geht uns damit nicht unbedingt besser. Fulbert Steffensky sagt: „Grenzen, die die Freiheit schützen, müssen wir neu erfinden“.

Effizienz oder Sinn

Bei mir ins Schwarze getroffen hat Steffenskys Anregung zu dem Wochenmotto: „Nicht sofort drauflosschaffen“. Er interpretiert einen sehr schönen Text aus dem Lukasevangelium, der von den Schwestern Marta und Maria handelt, bei denen Jesus zu Gast ist. Marta ist emsig und bemüht sich ununterbrochen um das Wohl des Gastes. Maria ist müßig, versunken, und sie hört zu. Kann zuhören. Fulbert Steffensky erklärt: Es ist leichter, Marta zu spielen als Maria, denn wir verwechseln gerne Effizienz mit Sinn. Viele von uns sind „verliebt in ihre lustvolle Gejagtheit, wenn wir sie auch lauthals beklagen“. Sein Rat: Täglich einmal eine Viertelstunde still sitzen und „Maria sein“. Mir hat der Satz bereits gutgetan „Nicht sofort drauflosschaffen“ (was für ein langes Wort) – allein diesen kleinen Satz zu lesen, hat für mich in der Woche viel verändert.

Impulse gegen das „Sofort“

„Sofort“, so Fulbert Steffensky, ist aggressiv und eines der Grundworte der Gier. Kein Wort der Freiheit, sondern des Zwangs. Das macht der Kalender eindrücklich deutlich. Viele weitere gute Impulse stecken darin. So wie der von Beppo Straßenkehrer aus dem Roman „Momo“, der nichts sofort entscheiden will, um nichts Unwahres  zu sagen, lange mit seiner Antwort zögert und daher für wunderlich gehalten wird. Oder das Zitat von Kurt Tucholsky, der die Multitasking-Geschäftsleute seiner Zeit mit dem schönen Begriff „Zappelnde Nichtstuer“ aufspießt. Oder die Anregung von Matthias Brandt, der morgens viel früher aufsteht, um dann so zu tun, als hätte er Zeit. Er liest und hört Musik und macht Dinge, die um vier Uhr morgens absurd sind, die ihm jedoch das Gefühl von Sinn und Selbstbestimmung geben.

Und dieses Zitat von Elke Heidenreich finde ich einen schönen Schlusssatz für meinen Blog: „Der Sinn des Lebens kann doch nicht sein, eine aufgeräumte Wohnung zu hinterlassen.“

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Mit Mut und Schwung zum Kulturwandel: Ein Fallbeispiel aus meiner Praxis http://www.changemanagement.biz/2017/03/mit-mut-und-schwung-zum-kulturwandel-ein-fallbeispiel-aus-meiner-praxis/ Thu, 09 Mar 2017 16:35:34 +0000 http://www.changemanagement.biz/?p=3003 Manchmal zwingt die Marktentwicklung Unternehmen zu neuem Denken. Gerade in engen Märkten, die von Globalisierung, Digitalisierung und demografischem Wandel geprägt sind, lohnt sich der Blick über den Tellerrand, auf weiche Faktoren: die gemeinsamen Werte und die Unternehmenskultur. Denn sie sind wesentliche Voraussetzung für außerordentliche Leistungen. Mit meinen Kunden darf ich solche spannenden Entwicklungsreisen durchlaufen und habe darüber zusammen mit Thorsten Selmaier, Senior Vice President Human Resources bei Aurubis, einen Beitrag für das Jahrbuch „Personalentwicklung“ geschrieben.

Aurubis ist einer der weltweit führenden Kupferproduzenten. Mit Blick auf den umkämpften und starken Preisschwankungen unterworfenen Weltmarkt hatte das Führungsteam bereits eine Zielstellung für ihr Change-Projekt erarbeitet. Nun ging es darum, den Weg dahin zu finden und gangbar zu machen. Das geeignete Werkzeug dafür lieferten uns die Cultural Transformation Tools (CTT) nach Richard Barrett.

Welche Werte verbinden ein Team?

Als gemeinsamer Ausgangspunkt diente ein Werte-Assessment im Werkleitungsteam. Wir wollten wissen: Welche Werte verbanden das Team? Welche Werte konnten die Changestory tragen? Und wer konnte dabei welche Rolle übernehmen? Außerdem wollten wir wissen, wie hoch das Ausmaß an potenziellen Konflikten, Reibungen und Frustrationen im Team war –  anders ausgedrückt, das Ausmaß an kultureller Entropie. Wir wissen aus Erfahrung, dass es nötig ist, zunächst die Entropie zu senken, sonst kann der Changeprozess nicht richtig greifen.

Aufgrund dieser Bestandsaufnahme setzten wir verschiedene Maßnahmen an. Zentral war ein durch Coaches unterstützter, sehr intensiver Teamentwicklungsprozess im Werkleitungsteam. Dabei ging es auch darum, die Entropie zu senken.

Dies gelang, wie wir nach einem Jahr deutlich messen konnten. Und es zeigte sich, dass die Menschen besser in Harmonie miteinander, mit ihrem Unternehmen und ihren Aufgaben waren – oder in der Fachsprache: Das Alignment hatte sich erhöht. Auf persönlicher Ebene z. B. durch offenere Kommunikation, Vertrauen, Wandlungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit, auf struktureller Ebene durch Abbau von Bürokratie, Hierarchie und Kontrolle.

Schon die Beschäftigung mit Werten bewirkt Wandel

Das Bemerkenswerte war, dass allein der Prozess bereits viel ausgelöst hatte. In dem gemeinschaftlichen Streben nach einer tragfähigen Werte-Basis war das Team noch stärker zusammengewachsen und konnte so den Changeprozess so noch besser voranbringen. Mit einer Großgruppenveranstaltung wurde er in die nächste Führungsebene getragen. Das neue Wir-Gefühl erzeugte eine Aufbruchstimmung, die in den Köpfen und Herzen viel bewegen konnte.

Die ganze Entwicklungsreise ist nachzulesen in dem Beitrag „Erfolgsfaktor Unternehmenskultur – Höchstleistung durch Werte“ von Thorsten Selmaier und mir, erschienen in: Personalentwicklung – Themen, Trends, Best Practices 2017, Hrsg. von Karlheinz Schwuchow und Joachim Gutmann. Freiburg, Haufe 2017, S. 73 ff.

Kostenloser Kulturcheck zur Veränderungsfähigkeit von Organisationen

Wie steht es um die Veränderungsfähigkeit Ihrer Organisation? Sind Sie bereit, Ihre Wertekultur zu verändern? Unter diesem Link biete ich einen kostenlosen Test zur „Cultural Change Readiness“ an. Wer mitmacht, erhält neben seiner individuellen Auswertung die Möglichkeit für ein kostenloses 20minütiges Feedback-Gespräch. Ich freue mich auf Ihren Anruf!

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Mit dem Kunden verbunden: Eine Teamübung aus dem Leitfaden „Get Connected“ http://www.changemanagement.biz/2017/02/mit-dem-kunden-verbunden-eine-teamuebung-aus-dem-leitfaden-get-connected/ Thu, 16 Feb 2017 07:34:07 +0000 http://www.changemanagement.biz/?p=2962 Erfolgreiche Teams teilen gemeinsame Werte, und die beziehen auch den Kunden mit ein. Deshalb will ich heute den Blick darauf richten, wie Teams die Beziehung zu ihren Kunden auf den Prüfstand stellen und weiterentwickeln können. Eine gute Übung dazu heißt „Den Kunden einbeziehen“. Sinn der Übung ist es, dass alle Beteiligten das gemeinsame Ziel des Teams deutlich vor Augen haben, um den Dialog und die Kooperation mit dem Kunden zu verbessern. Das Team soll verstehen, wie seine Lösungen und Leistungen die Geschäftsprozesse des Kunden unterstützen. Und es soll konkrete Ansätze entwickeln, wie es die Vision und die Ziele des Kunden in seine Arbeit mit einbeziehen kann.

In die Haut des Kunden schlüpfen …

Der Workshop benötigt ca. 3-4 Stunden und es sollen möglichst viele Teammitglieder sowie ein Vertreter von Kundenseite daran teilnehmen. Wenn möglich, machen Sie vorab einen Besuch im Kundenunternehmen. Sie treffen die Nutzer Ihrer Produkte oder Lösungen und erfahren, in welcher Arbeitsumgebung diese eingesetzt werden. So bekommen Sie ein besseres Verständnis für Ihren Kunden.

Beginnen Sie den Workshop mit einer Einzelreflexion. Die Teilnehmer werden angehalten, sich an eine Situation zu erinnern, als sie Teil eines Teams waren, das perfekt mit dem Kunden zusammengearbeitet hat. Was waren die Gründe dafür? Wer war daran beteiligt? Was haben sie dabei gefühlt? Wie waren die Ergebnisse?

Anschließend stellt der Kunde anhand mehrerer Leitfragen seine Situation dar. Dabei hilft ein vorbereitetes Übungsblatt. In der linken Spalte enthält es drei Felder aus Sicht des Kunden:

  • seine Visionen und Ziele,
  • seine Prioritäten und Auflagen,
  • seine Voraussetzungen und kritische Erfolgsfaktoren.

Darauf folgt eine Gruppenreflexion mit der Frage: „Wie kann unser Team die Kundensicht aufgreifen und einbeziehen?“ Das Übungsblatt enthält in der rechten Spalte drei Felder, die die Arbeit des Teams beschreiben:

  • seine Ausrichtung,
  • die Rahmenbedingungen/Voraussetzungen,
  • den Dialog/die Zusammenarbeit.

In der mittleren Spalte schließlich stehen die Leitfragen, wie sich Kundensicht und Teamsicht verbinden lassen.

  • Warum gibt es uns als Team? Also wie ist die Verbindung zwischen den Visionen und Zielen des Kunden und der Ausrichtung unseres Teams?
  • Worauf ist besonders zu achten, um Prioritäten/Auflagen des Kunden mit unseren Rahmenbedingungen/Voraussetzungen in Einklang zu bringen?
  • Wie stellen wir ein kooperatives Arbeitsklima her, um auf Voraussetzungen und kritische Erfolgsfaktoren des Kunden mit Dialog und einer guten Zusammenarbeit zu reagieren?

Übung aus Get Connected - den Kunden einbeziehen

… und Partnerschaft mit dem Kunden gestalten

Schließlich werden diese Impulse mit folgenden Leitfragen ausgewertet: Wie hat diese Übung zu einem gemeinsamen Verständnis und einer gemeinsamen Sicht der Prioritäten und Voraussetzungen sowie zum Dialog mit dem Kunden beigetragen? Was haben wir als Einzelner und als Team gelernt? Was sind die Kernthemen, die wir für unsere Arbeit mitnehmen? Von diesem Workshop nimmt nicht nur das Team viele Impulse mit, sondern auch der Kunde.

In der Nachbereitung legen Sie dann mit Ihrem Team fest, welche Verhaltensweisen und Prioritäten entsprechend angepasst werden sollen, damit die Erkenntnisse aus dieser Übung nachhaltig verankert werden können.

Get Connected: Dialogübungen zur Teamentwicklung

Hat Ihnen diese Übung gefallen? Sie stammt aus dem Leitfaden Get Connected des Barrett Values Centre (dort S. 62). Darin finden sich 25 Dialogübungen, die Unternehmen und Organisationen dabei helfen, ihre Teamkultur in eine gewünschte Richtung zu entwickeln. Get Connected baut auf dem Methodenwissen der Cultural Transformation Tools (CTT) auf und kann im Rahmen von CTT-Projekten eingesetzt, aber auch unabhängig davon genutzt werden.

Der Leitfaden ist jetzt ganz frisch auch auf Deutsch erschienen. Hier geht es zum kostenlosen Download. Übrigens sind die Übung auch im internationalen Team möglich, da Get Connected auch in Englisch, Schwedisch, Spanisch und bald auch in Chinesisch verfügbar ist.

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Wie fühlt sich die neue Arbeitswelt an? Gastbeitrag von Jana Brüchmann http://www.changemanagement.biz/2017/02/wie-fuehlt-sich-die-neue-arbeitswelt-an-gastbeitrag-von-jana-bruechmann/ Thu, 02 Feb 2017 09:35:51 +0000 http://www.changemanagement.biz/?p=2947 Eine Arbeitswelt, geprägt durch Wertschätzung, persönliches Wachstum und Selbstverantwortung, das finde ich erstrebenswert. Business-Coach Jana Brüchmann kennt sich damit aus. Als ehemalige Führungskraft eines weltweiten IT-Konzerns lässt sie sich voller Neugier und Tatendrang darauf ein und erlebt, wie sie sagt, wie das „die Seele nährt“.  Ich habe sie gebeten, einen Gastbeitrag zu schreiben.

Conscious Capitalism

Neulich traf ich Meike, die ich über einen Kontakt bei Andreas Ausbildung zur „werteorientierten Organisationsführung“ kennengelernt habe. Netzwerken. Weil ich Interesse an dem Thema „Conscious Capitalism“ geäußert habe. Interessante Themen. Ein kurzer Austausch per Mail, Links und PDFs. Ein Telefonat: „Wollen wir uns treffen und Du erzählst mir einfach mal etwas darüber?“ Wir sind beide in Berlin, perfekt. Als ich das Café betrete, erkennen wir uns sofort zwischen all‘ den Menschen und sind gleich vertraut. Wir unterhalten uns angeregt über alles Mögliche: über sehr persönliche Dinge und nachhaltig wirtschaftende Banken – und natürlich auch über „Conscious Capitalism“.

Dabei handelt es sich um eine weltweit aktive Bewegung. Im Kern geht es um so etwas wie „bewusstes Wirtschaften“. Die Grundidee ist, an der freien Marktwirtschaft festzuhalten, allerdings mit breitem Blick. Anders ausgedrückt: Niemand soll dabei ausgebeutet werden, weder Menschen noch die Umwelt. Die vier Prinzipien lauten:

  • Higher Purpose: Der Zweck ist mehr als nur Geld verdienen, es geht um Inspiration.
  • Stakeholder Orientation: Mehrwert für alle, die Kapitalgeber und auch die Kunden, die Lieferanten, die Partner, die Mitarbeitenden und die Gesellschaft
  • Conscious Leadership: Führungskräfte, die in der Lage sind, die Bedürfnisse aller Beteiligten zu sehen und in Richtung des höheren Zwecks zu inspirieren.
  • Conscious Culture:  Werte, Prinzipien und Praktiken verbinden die Stakeholder für einen höheren Zweck durch fähige Führungskräfte

Es gibt auch eine Organisation zu dieser Idee und regional organisiert man sich in Chapters. Meike Nittel möchte gerne ein solches Chapter im deutschsprachigen Raum aufbauen und sucht Partner dafür. Ganz begeistert berichtet sie über die Menschen, denen sie auf der letzten CC-Conference begegnete und wie inspirierend die Themen waren.

Neue Arbeitswelt

Grundsätzlich dockt das Thema bei mir an. Ich beschäftige mich viel mit den Themen rund um die neue Arbeitswelt, bin im intrinsify.me-Netzwerk, dem größten deutschsprachigen Fach-Netzwerk, und der Augenhöhe-Community aktiv, die u. a. Dokumentarfilme über modern geführte Organisationen zur Verfügung stellt. Ich sauge alles auf, was in diese Richtung geht. Oft sind die Diskussionen eher theoretisch und ich frage mich, wie das in der realen Wirtschaftswelt aussehen kann, aus der ich komme. Rezepte zum „Nachkochen“ gibt es ja nicht, maximal geeignete Zutaten. Ja, moderates Wachstum unter Berücksichtigung der Beteiligten, der Umwelt und der Gesellschaft. Wie wäre die Welt ohne die Firmen, denen es nur um den eigenen Profit geht? Erstrebenswert.

Am Ende sprechen Meike und ich über dieses unklare Etwas – New Work – diese Idee, die mich so antreibt – wo ich als Business-Coach und Consultant aktiv bin. Plötzlich gibt es diesen unglaublich berührenden Moment, in dem ich feststelle: Ich bin längst angekommen in der neuen Arbeitswelt. Ich arbeite bereits genauso – ich lese, lerne, diskutiere kontrovers und dabei wertschätzend, probiere aus & scheitere (selten), und so wachse ich in Themen und Transformations- und Teamentwicklungs-Projekte rein, die ich mir vorher im Traum nicht hätte ausmalen können. Ich moderiere offene Formate, deren Prinzipien und das Gesetz der zwei Füße auch immer mehr Einzug in meine eigene Haltung finden. Jeder Tag ist anders. Wie wird meine Welt in einem Jahr aussehen? Ich habe keine Ahnung und das ist auch (meistens) in Ordnung so. Ich weiß nur, dass ich mit unfassbar selbst-reflektierten, zugewandten und klugen Menschen arbeite. Jeder hat andere Schwerpunkte, wir sind offen und ergänzen uns. Manchmal ist es anstrengend, meistens fühlt sich die neue Arbeitswelt so richtig gut an.

Über die Autorin

Jana Brüchmann ist fasziniert von den Themen rund um die neue Arbeitswelt. Sie wurde als Wirtschaftsinformatikerin und MBA viele Jahre in einem global agierenden IT Konzern als Führungskraft sozialisiert und versucht nun, das Beste aus beiden Welten zusammenzubringen. Werteorientierte Organisations- und Persönlichkeitsentwicklung durch Consulting, Facilitation und Coaching.

 

 

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„Time to think“ von Nancy Kline: Ein Buch zum Nachdenken übers Denken http://www.changemanagement.biz/2017/01/time-to-think-von-nancy-kline-ein-buch-zum-nachdenken-uebers-denken/ Thu, 19 Jan 2017 13:36:40 +0000 http://www.changemanagement.biz/?p=2929 Denken ist wie atmen, das machen wir doch unwillkürlich – oder? Nancy Klines Buch „Time to think“ hat mich allerdings dazu gebracht, übers Denken neu nachzudenken. Und ich finde, sie hat recht: Wir können in unserem beruflichen wie privaten Umfeld eine Atmosphäre schaffen, die die Qualität des Denkens steigert. Das heißt mehr Eigenständigkeit, Mut und Kreativität im Denken, weg von einschränkenden Annahmen, bessere Kommunikation und dadurch bessere Entscheidungen und besseres Handeln. Das Buch zeigt mit zehn einfachen Regeln, wie ein solches „Thinking Environment®“ erschaffen werden kann.

Dabei finde ich schon den Titel super: „Time to think“, das Denken in den Mittelpunkt zu stellen, ist clever, denn „gut denken“ möchte ja jeder. Noch dazu ist der Titel doppeldeutig: „Zeit zum Denken“ und „es wird Zeit zu denken“ lässt sich da herauslesen. Beides finde ich zutreffend.

Zehn Komponenten für ein „Thinking Environment®

Zehn Komponenten hat Nancy Kline in einfache Regeln gefasst, die sie mit vielen Beispielen untermauert. Bei oberflächlicher Betrachtung hatte ich zuerst den Eindruck, dazu ist doch eigentlich schon alles bekannt. Doch das Buch gibt uns die Chance, nochmal anders darauf zu schauen und neue Erkenntnisse zu gewinnen, teilweise regelrechte Aha-Erlebnisse. Es scheint, dass dann alles möglich wird.

Hier die zehn Regeln in Kurzform – auf drei davon will ich gleich noch näher eingehen.

  1. Aufmerksam und mit spürbarem Respekt zuhören
  2. Gleichheit unter ebenbürtig Denkenden erzeugen
  3. Gelassenheit bringt schöpferische Ruhe
  4. Konkrete, prägnante, aufrichtige Wertschätzung zeigen
  5. Menschen ermutigen, über das Übliche hinaus zu denken
  6. Gefühle zulassen und erforschen, denn das ermöglicht tiefer gehendes Denken
  7. Informationen anbieten, nichts zurückhalten, sich Dinge eingestehen
  8. Diversität fördern, dem Geist die Vielfalt der Realität anbieten
  9. Durch „Incisive QuestionsTM“ einschränkende Annahmen auflösen
  10. Ein physisches Umfeld der Wertschätzung schaffen

Mit einschneidenden Fragen Mauern einreißen

Total beeindruckt haben mich die „Incisive QuestionsTM“. Sie werden eingesetzt, wenn bestimmte Annahmen das Denken einschränken, z. B. Annahmen über sich selbst oder darüber, wie das Leben funktioniert. Im Buch gibt dazu Beispiele – schon beim Lesen hatte das eine starke Wirkung auf mich. Der erste Teil der Frage ist eine Annahme, z. B.: „Wenn Sie die Leitung der Firma übernehmen sollten, welches Problem würden Sie zuerst lösen und wie würden Sie das tun?“ Oder „Wenn Sie sich in Ihrem Leben nicht zurückhalten müssten, was würden Sie dann tun?“

Wenn ich im Denken zu einem Thema festgefahren bin, kann ich mich fragen, welche Annahme mich hier wohl blockiert. Ich muss gut in mich hineinhören, um dem auf die Spur zu kommen. Doch dann kann ich eine einschneidende Frage daraus machen. Allein das kann schon die gedankliche Blockade lösen.

Ausprobieren!

Beim 20. Lernforum Großgruppenarbeit (15./16. Jan. in Oberursel) war Nancy Klines Arbeit zentrales Thema, vorgestellt von ihrer Meisterschülerin Maryse Barak und übersetzt von Marion Miketta. Anschließend haben wir die Regeln in einer Session selbst ausprobiert.

Zwei Highlights: Einmal der Satz „Sometimes the mind cannot tell the difference between love and attention“. Ungeteilte, respektvolle Aufmerksamkeit ist so stark! Wenn man nicht unterbrochen wird, entspannt sich der Geist. Also hängt es von der Qualität der Aufmerksamkeit ab, wie sich beim Gegenüber die Qualität des Denkenden entfalten kann. Das versuche ich künftig besser zu beherzigen. Denn ich ertappe mich selbst immer wieder dabei, dass ich andere unterbreche.

Das zweite Highlight war die unglaubliche Wirkung, wenn man Stille zulässt, Tiefe und Verlangsamung spürt. Mehr Gelassenheit, weniger Drängen und weniger Eile, das ist auch etwas, worauf in Zukunft mehr achten will.

Lektüretipp

Das Buch „Time to think: Zehn einfache Regeln für eigenständiges Denken und gelungene Kommunikation“, schon 1999 in USA veröffentlicht, ist im Sommer 2016 als Taschenbuch bei Rowohlt erschienen.

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